Rheingau. Der Hessische Landtag hat die gesetzliche Grundlage für die Gebietsweinwerbung aktualisiert. „Der von der Landesregierung vorgelegte Entwurf zur Änderung des Hessischen Gesetzes über die Erhebung einer Abgabe für die gebietliche Absatzförderung von Wein ist nach der zweiten Lesung beschlossen worden. Das Abgabenmodell, bei dem die Winzer in einen Topf einzahlen, hat sich bewährt und wird für weitere zehn Jahre gesichert. Es wird entbürokratisiert und durch eine moderate Anhebung der Beiträge weiterentwickelt“, erklärte die Landtagsabgeordnete Petra Müller-Klepper.

Das gesetzliche Fundament, das seit Jahrzehnten trage, werde durch Neuerungen den aktuellen Gegebenheiten angepasst. In der Regierungsanhörung hatten sich die beiden Weinbauverbände von Rheingau und Hessischer Bergstraße ebenso wie der Landesagrarausschuss für die nun beschlossenen Änderungen ausgesprochen, so die Abgeordnete. Insbesondere die Beträge zur Erhöhung der Abgabe beruhten auf den Vorschlägen der beiden Verbände.

Grundlage für die Berechnung der Abgabe sei die Weinbergsfläche, über die ein Betrieb verfüge. Bisher wurde sie von Betrieben erhoben, deren Weinbergsfläche mindestens 5 Ar umfasst. „Künftig sind Betriebe erst ab einer Größe von 10 Ar abgabepflichtig. Diese Anhebung der Bagatellgrenze ist eine Angleichung an das Bundesrecht und bedeutet zugleich wesentlich weniger Bürokratie. Die Zahl der abgabenpflichtigen Betriebe verringert sich, es fallen deutlich weniger Bescheide an“, erläuterte Petra Müller-Klepper.

Um die Einnahmeverluste zu kompensieren, die so entstehen, und um zugleich die Kostensteigerungen aufzufangen, werde die Abgabe moderat angehoben. Bisher betrug sie im Rheingau 0,87 Euro pro Ar. Künftig wird 1 Euro pro Ar erhoben. „Diese Neuerungen machen das Instrument leichter handhabbar und erhöhen das Budget für die Weinwerbung“, begrüßte die weinbaupolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion.

Durch die Novellierung werde Planungssicherheit hinsichtlich der Mittel und der Organisationsstruktur geschaffen. Die Absatzförderung erfolge zentral durch herkunftsbezogene gemeinschaftliche Werbemaßnahmen. Im Rheingau sei hierfür die Rheingauer Weinwerbung GmbH zuständig. Die Finanzierung der Maßnahmen erfolge über die Abgabe, die haushaltsmäßig vom Weinbauamt verwaltet werde. Hinzu komme eine Landesunterstützung von jährlich 30.000 Euro für gemeinschaftliche Werbemaßnahmen. Über die Mittelvergabe entscheide ein Werbebeirat, der aus Vertretern des Berufsstandes und der Weinwirtschaft zu bilden sei.

„Unsere hessischen Weinanbaugebiete – der Rheingau und die Bergstraße – erzielen durch konsequente Qualitätsorientierung Spitzenweine. Doch auch gute Weine verkaufen sich nicht von selbst. Um im Wettbewerb bestehen zu können, braucht es eine professionelle Vermarktung aus einem Guss“, so Petra Müller-Klepper. Nur durch eine einheitliche Gebietsdarstellung könnten sich der Rheingau und die Bergstraße in der vielfältigen Weinangebotslandschaft sichtbar positionieren. „Mit einer Gebietsweinwerbung können die Trümpfe Herkunft und Rebsorte, die nachweislich bei der Kaufentscheidung eine Bedeutung haben, optimal ausgespielt werden.“ Über eine solidarische Finanzierung, an der sich auch das Land beteilige, werde die optimale werbliche Darstellung und Vermarktung, eine positive Imagebildung und Absatzentwicklung sichergestellt.

Der Gemeinschaftsauftritt der Weinbranche könne zudem Motor und zentraler Baustein der Regionalentwicklung sein. Prozesse wie die Entwicklung der Dachmarke Rheingau mit dem Alleinstellungsmerkmal der Weinkulturlandschaft zeigten, dass die Zukunft zu Recht im Denken und Handeln als Region gesehen werde. „Eine gebietliche Weinwerbung kann diesen Prozess beschleunigen und im Konzert der Gebietsprofilierung die erste Geige spielen.“

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