Land fördert umweltschonende „Verwirrmethode“

Rheingau. Demnächst steht in den Weinbergen im Rheingau die Ausbringung der Pheromon-Kapseln zur Bekämpfung des Traubenwicklers an. Wie die Landtagsabgeordnete Petra Müller-Klepper mitteilt, fördert das Land auch in diesem Jahr die Anwendung dieser biologischen, umweltschonenden Pflanzenschutzmethode.

„In den Rheingau fließen Fördermittel in Höhe von 321.200 Euro, an die Bergstraße 4.400 Euro“, hat die weinbaupolitische Sprecherin der CDU-Fraktion auf ihre Anfrage von der Hessischen Ministerin für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Priska Hinz, erfahren. Das biologische, umweltschonende Verfahren sei von Vorteil für Natur und Mensch, habe sich bewährt und dokumentiere das Umweltbewusstsein der Winzer.

„Der Einsatz der Pheromon-Ampullen ist seit 2003 mit finanzieller Unterstützung des Landes sukzessive ausgebaut worden Im Rheingau wird das Verfahren mittlerweile auf fast der gesamten Rebfläche angewandt, was eine größtmögliche Wirksamkeit sicherstellt. In diesem Jahr kann nach Abschluss einiger Flurbereinigungsverfahren nochmals eine leichte Steigerung um 9 Hektar erfolgen, so dass insgesamt 2.920 Hektar bestückt werden“, so Petra Müller-Klepper.

An der Bergstraße sei das Verfahren aufgrund der kleinteiligen Weinbaustruktur deutlich geringer ausgebreitet. Dort werde es auf 40 Hektar eingesetzt. Das Weinbauamt verfolge dort jedoch das erklärte Ziel, im Zuge der weinbaufachlichen Beratungstätigkeit die Akzeptanz und Verbreitung des Verfahrens zu erhöhen.

Hessenweit werden in diesem Jahr auf der gesamten Anwendungsfläche von 2.960 Hektar mehr als 1,5 Millionen der sogenannten RAK-Ampullen ausgebracht. Pro Hektar werden 500 Kapseln benötigt. Darüber hinaus sind weitere Ampullen für die Randabhängung erforderlich, deren Umfang lokal unterschiedlich ist. Der Fördersatz beträgt wie in den Vorjahren 110 Euro pro Hektar, um die Mehrkosten aufzufangen, die im Vergleich zur chemischen Bekämpfung entstehen. Die Auszahlung der Mittel erfolgt nach Abschluss aller Vor-ort-Kontrollen im Sommer.

„Damit das Verfahren optimal wirkt, ist eine rechtzeitige Ausbringung der Kapseln ca. eine Woche vor Flugbeginn des Traubenwicklers wichtig“, erläuterte Petra Müller-Klepper. Das Weinbauamt gebe im Rahmen der amtlichen Pflanzenschutzberatung entsprechende Empfehlungen, so im „Wetterfax für den Weinbau“, das in Kooperation mit der Hochschule Geisenheim und dem Deutschen Wetterdienst erstellt werde. Der optimale Ausbringungstermin werde anhand der Temperatursummen-Methode ermittelt und den Weinbaubetrieben mitgeteilt. Darüber hinaus werde ein Monitoring-Verfahren zur Beurteilung der Wirksamkeit betrieben.

Aufgrund des Witterungsverlaufs werde von einem deutlich späteren Austriebstermin der Reben als in den letzten Jahren ausgegangen. Durch diese Verschiebung werde auch der Termin für das Aushängen der Ampullen beeinflusst. Derzeit sei von einem Flugbeginn des Traubenwicklers um den 25. April auszugehen. Deshalb müssten nach dem derzeitigen Stand die Ampullen spätestens am 18. April ausgehängt, so die Empfehlung im aktuellen Wetterfax.

Der Pheromoneinsatz im Weinbau halte seit über zehn Jahren erfolgreich die Traubenwickler-Schädlinge unter Kontrolle – und das ohne den Einsatz von Insektiziden. Durch den biologischen Pflanzenschutz in Form von Pheromonen werde der Einsatz chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel verringert. Dies schütze die Böden und Oberflächengewässer. „Das Prinzip ist einfach: Durch den Einsatz der Pheromone werden die Männchen des Traubenwicklers verwirrt und finden die Weibchen nicht“, so die Landtagsabgeordnete. Schadorganismen würden gezielt bekämpft, ohne dass Nützlinge geschädigt würden.

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