Rheingau-Taunus. Das Förderprogramm „Sport und Flüchtlinge“ des Hessischen Innenministeriums wird im Rheingau-Taunus-Kreis rege genutzt. „Im laufenden Jahr sind 46.800 Euro in die Region geflossen. Damit wird in sechs Städten und Gemeinden der Einsatz von so genannten Sport-Coaches gefördert, die als Betreuer und Koordinatoren ehrenamtlich wirken. Der Sport ist ein Integrationsmotor – er erleichtert Zugewanderten die Integration. Das Land unterstützt den Sportkreis Rheingau-Taunus und die Sportvereine vor Ort bei ihrem Engagement in der Flüchtlingsarbeit durch Mittel und praktische Hilfe“, erklärten die Landtagsabgeordneten Petra Müller-Klepper und Peter Beuth, der als Innenminister das Programm 2016 gemeinsam mit der Sportjugend Hessen entwickelt hat und verantwortet.

Die Mittel wurden den folgenden Städten und Gemeinden zur Verfügung gestellt: Heidenrod 6.000 Euro, Lorch 6.000 Euro, Niedernhausen 9.000 Euro, Oestrich-Winkel 6.000 Euro, Taunusstein 13.800 Euro, Waldems 6.000 Euro. Für die Höhe der Bewilligung war jeweils die Zahl der untergebrachten Flüchtlinge ausschlaggebend. Den sechs Kommunen sind insgesamt 1.281 Flüchtlinge zugewiesen.

Da viele Flüchtlinge und Menschen mit Migrationshintergrund mittlerweile seit mehreren Jahren in Hessen leben, wurde das Programm um eine zweite Säule erweitert. „Das Programm wird weiterentwickelt, indem auch gezielt Qualifizierungs- und Beteiligungsmaßnahmen unterstützt werden, um Migranten für ehrenamtliches Engagement in Sportvereinen zu gewinnen“, erläuterten die Abgeordneten. Zudem werde ein neues Modell unterstützt: die Sport-Coach-Tandems, also Duos mit und ohne persönliche Zuwanderungsgeschichte. Bisher gibt es in Hessen 58 Sport-Coach-Tandems. „Auch hier ist der Rheingau-Taunus dabei – mit einem Tandem in Taunusstein.“

Sportkreis landesweit Vorreiter
„Der Sportkreis Rheingau-Taunus hat landesweit als Vorreiter fungiert, indem er bereits frühzeitig Integrationsaktivitäten wie das Projekt ‚GIB – Gemeinsam Integration bewegen‘ ins Leben gerufen hat. Das Modell der Sport-Coaches ist ein weiterer Baustein, der sich innerhalb kürzester Zeit bewährt hat. Der Sportkreis hat eigens eine Sport-Coach-Koordinatorin ernannt und als Anlaufstelle eingerichtet“, lobten Müller-Klepper und Beuth. Sie dankten dem Sportkreis und den Sportvereinen im Rheingau-Taunus für ihre Integrationsarbeit, mit der sie vor Ort wirkungsvoll und unbürokratisch Hilfe leisteten.

„Die Sport-Coaches stellen den Kontakt zwischen Sportvereinen, Asylbetreuung, Flüchtlingsunterkünften und Flüchtlingen her. In der ersten Zeit begleiten sie die Flüchtlinge zu Sportangeboten“, erläuterten die Abgeordneten. Sport-Coaches koordinieren alle Aktivitäten, um ihnen den Weg ins Vereinsleben zu ebnen. Als Bindeglied bündeln sie die Interessen der Vereine, Flüchtlinge, Betreuer und Initiativen vor Ort. Für diese Netzwerkarbeit werden sie von der Sportjugend Hessen geschult. „Durch die Möglichkeit der finanziellen Unterstützung der Sport-Coaches und von Sportangeboten wird das Ehrenamt in diesem Bereich entlastet und zugleich gefördert.“

Mit dem Landesprogramm, das sich als richtige Maßnahme zur richtigen Zeit erwiesen habe, werde das integrative Potenzial des Sports genutzt und gestärkt. Der Sport stelle seine Integrationskraft eindrucksvoll unter Beweis. „Er überwindet Grenzen mit Leichtigkeit und hilft dabei, dass Fremde zu Nachbarn und guten Freunden werden. Im Sport sind Sprache, Herkunft, Religion und sozialer Status von nachgeordneter Bedeutung. Wer gemeinsam Sport treibt, lernt sich kennen und baut Vorurteile ab“, betonten die Abgeordneten.

Fördermittel aufgestockt
Das Programm sei nicht nur im Rheinau-Taunus, sondern landesweit auf große Resonanz gestoßen und habe alle Erwartungen übertroffen. Das Land habe deshalb die Ausstattung des Programms auf 2,4 Millionen Euro erhöht. Es sei bundesweit einzigartig. Aktuell nehmen 240 Kommunen in Hessen an ihm teil. Landesweit sind rund 300 Sport-Coaches im Einsatz.

Antragsberechtigt sind Städte und Gemeinden, die mehr als 40 Flüchtlinge untergebracht haben. Kommunen, die weniger als 40 Flüchtlinge untergebracht haben, können in Form einer Interkommunalen Zusammenarbeit Anträge stellen. Je nach Anzahl der untergebrachten Flüchtlinge kann eine Förderung von 5.000 bis zu 25.000 Euro bewilligt werden. Die Fördermittel können an Dritte weitergeleitet werden, so dass Sportvereine und Institutionen, die Sportangebote für Flüchtlinge anbieten, von der Förderung profitieren. Städte und Gemeinden, in denen eine Erstaufnahmeeinrichtung, eine Außenstelle oder Notunterkunft besteht, können zusätzliche Mittel bis zu 15.000 Euro beantragen. Das Geld kann eingesetzt werden für die Aufwandsentschädigungen der Sport-Coaches, Übungsleiter, Schulungsmaßnahmen oder Sachmittel.

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